Anilinleder ist die Bezeichnung für eine Lederart, die mit löslichen Farbstoffen durchgefärbt ist, sodass die natürliche Narbenoberfläche sowie Farbschwankungen nach dem Färben sichtbar bleiben. Anilinleder werden daher auch als Vollnarben- oder Vollleder bezeichnet, manchmal spricht man auch von naturbelassenem Leder. Als Semianilinleder wiederum werden Leder bezeichnet, die mit einer leichten Farbschicht versehen sind. Das Narbenbild ist dabei immer noch sichtbar, aber leicht geschützt. Der Begriff Anilin kommt von der Farbe, die früher zum Färben verwendet wurde. In der modernen Gerberei ist man allerdings zu anderen, schadstofffreien Farben übergegangen. Da Anilinleder nur mit transparenten Farbstoffen gefärbt wird und die natürliche Hautstruktur dabei vollständig erhalten bleibt, gilt es in der Regel als sehr wertvolles, hochpreisiges Leder. Gegen direktes Sonnenlicht und Flecken ist es gerade deshalb aber auch empfindlicher als andere Lederarten, auch die Farbauswahl ist begrenzt.
Was zeichnet Anilinleder aus?
Sowohl Anilinleder als auch Semianilinleder zeichnen sich durch ihren besonders natürlichen, matten Look und einen wachsigen Griff aus. Optisch wie haptisch bieten sie das purste, natürlichste Echtleder-Erlebnis, das ein Ledersofa bieten kann, denn auf Veredelung wird bei dieser Lederart fast immer verzichtet. Die atmungsaktive Eigenschaft des Materials kann dadurch voll zur Geltung kommen – sie sorgt für einen hautsympathischen Sitzkomfort, wobei die Körpertemperatur schnell aufgenommen wird und es sich deshalb auf Anhieb angenehm warm anfühlt.
Anilinleder ist überaus schutz- und pflegeintensiv, da durch seine Offenporigkeit Schmutz und Feuchtigkeit leicht eindringen und es ohne Pflege spröde und speckig werden kann. Es sollte deshalb regelmässig mit einem speziellen Pflegemittel imprägniert werden. Das Eindringen von Feuchtigkeit und Fett wird dadurch verlangsamt, kann aber dennoch nicht dauerhaft verhindert werden, da die Schutzschicht mit der Zeit wieder verschwindet. Die Imprägnierung sollte deshalb alle drei bis sechs Monate aufgefrischt werden. Dabei immer mit möglichst wenig Wasser arbeiten und von Naht zu Naht reinigen, um Ränder und Fleckenbildung zu vermeiden. Wichtig: Nur eine von Anfang an durchgeführte Imprägnierung schützt richtig. Bereits eingezogene Flecken lassen sich ohne Fachbetrieb meist nicht mehr entfernen, weshalb Prävention das A und O ist. Der beste Schutz für Anilinleder ist und bleibt ein sorgsamer Umgang. Obwohl Semianilinleder durch die leichte Farbschicht von vornherein besser geschützt ist, wir auch hier eine regelmässige Imprägnierung und Pflege empfohlen.
Anilinleder-Pflege-Einmaleins:
✓ Staub einmal pro Woche mit einem weichen, nebelfeuchten Tuch entfernen. So schenken Sie dem Anilinleder die Feuchtigkeit, die es braucht. ✓ Bei der der Reinigung immer destilliertes Wasser verwenden, um Kalkflecken zu vermeiden. ✓ Anilinleder alle drei bis sechs Monate mit spezieller Lederpflege wie oben beschrieben einlassen.